Japan – Mein Reisebericht

Japan – Mein Reisebericht

Japan, das ist das Land mitten im Pazifik, das den meisten wohl nur als skurriles, übertrieben höfliches und diszipliniertes Land bekannt ist, meistens – leider – nur aus den Medien. Natürlich kommen auch all die verrückten Dinge, die Mangas und Animes hierher, wer sie liebt, lebt sie suchtartig, die anderen können rein nichts damit anfangen. Ja auch ich bin klar Animesüchtig, eigentlich bin ich nach allem süchtig, was aus diesem Land kommt. Mein Auto ist natürlich ein japanisches, mein Essen ist wann immer es möglich ist japanisch und auch sonst dreht sich vieles nur um eines, Nihon. Natürlich hat man auch sofort Erdbeben, Tsunamis und Taifune im Kopf, wenn man Japan hört und das ist auch gut so. Die Naturgewalten sind hier (aus eigener Erfahrung) sehr deutlich spürbar.

Fast 11 Jahre war es nun ein Traum von mir, dieses Land zu bereisen. Dieses Jahr war es dann endlich soweit. Nach etlichen Monaten der Vorbereitung und Planung, begann meine Traumreise. Vom Frankfurter Flughafen aus. 11.500 km wie ein Vogel durch die Luft, bis nach Haneda. Für meinen ersten Flug im Leben, mit Flugangst hab ich mir da natürlich genau das richtige ausgesucht. Aber mir war klar, ich muss nach Japan. Würde ich zuvor in ein anderes Land fliegen und meine unbegründete Flugangst sich bewahrheiten oder manifestieren, bliebe Japan auf ewig ein unerfüllter Wunsch. Also rein in die Maschine der ANA und los gehts.

Der Start ist atemberaubend. Für autobegeisterte, gerade der JDM Szene kann man den Start schon mit einem übertrieben hochgezüchteten GTR-35 vergleichen, natürlich jenseits der straßentauglichen Pferdestärken. Es ist gigantisch wie sich dieser Kollos erhebt, der Druck in den Ohren steigt, alles knackt und knarrzt und der eigene Körper in den Sitz gedrückt wird. Wenige Augenblicke später neigt sich der stählerne Vogel horizontal und wenn man das Glück hat an einem Fenster zu sitzen, erscheint dort plötzlich eine fremde Welt. Kilometerweit unter einem ist nichts, eine surreale Höhe. Nach zwei, drei Stunden ist es schon fast langweilig. Bis nach knapp elf Stunden ohne Vorwarnung der Vogel abzustürzen scheint, doch es ist nur der Sinkflug. Als würde es eine Lufttreppe geben, fällt man immer wieder buchstäblich ein paar hundert Meter hinunter. Es ist wie Achterbahn fahren, das kribbeln im Bauch, das Gefühl der Schwerelosigkeit. Übrigens die Turbulenzen während des Fluges sind wirklich nicht schlimm, aber auch kein Zuckerschlecken. Es gleicht gewissermaßen der Fahrt mit einer U-Bahn, allerdings mit dem Wissen das man hunderte Kilometer pro Stunde schneller ist und gute 10.000 km über der Erde in einer Aluminiumröhre steckt, dessen Flügel bedrohlich auf und ab wippen, während der Vogel lautstark klappert und vibriert. Die Blicke derer, die ängstlicher sind als man selbst und sich weiß wie ein Kalkstein im Gesicht im Sitz festkrallen, sind aber durchaus amüsant. Ich kann nur jedem sagen, der ebenfalls Flugangst hat, so eine Maschine hält verdammt viel aus! Ich hatte natürlich das Glück bei meinem ersten Flug einen Taifun zu erwischen und nicht irgendeinen, es war der stärkste Taifun seit 25 Jahren. Mit satten 330 km/h traf der Taifun auf Japan, das neben den Turbulenzen auch eine bedrohliche Landung zur Folge hatte. Etwas holprig aber dennoch sicher kam der Vogel dann zum stehen. Da hab ich es realisiert, ich bin wirklich in Japan. Und jetzt? Die Sprache ist mir fremd, zumindest verstehe ich nur wenig, es reicht für Smalltalk.

Aber keine Angst, am Flughafen Haneda Airport ist alles und jeder auf ausländische Gäste eingestellt und das Englisch perfekt. Sobald man das Flugzeug verlassen hat, fallen einem umgehend drei Dinge auf. Es ist ruhig, ich meine wirklich ruhig, fast als wäre man auf einer Beerdigung und das auf einem verdammt großen Flughafen. Niemand spricht und wenn doch, dann nur sehr leise. Wann immer man Japaner sieht, schauen sie auf ihr Smartphone. Richtiges Smombieland – gefällt mir, immerhin bin ich Softwareentwickler, mein Smartphone ist mit meiner Hand verwachsen und ich liebe das Game Pokémon Go – wo sonst wenn nicht im Erfinderland sollte ich also dieses Game zocken und mich automatisch anpassen indem ich auf mein smartes Gerät schaue. Der zweite Punkt ist, alles aber wirklich alles – außer die Japaner selbst (kleiner Spaß) 😉 – ist verdammt groß, riesig, weit und hoch. Und wenn man fertig ist mit staunen dann steht man auch schon. Und zwar in einer Schlange aus Menschen. In Japan gibt es überall geordnete Schlangen, Person hinter Person wartet man Minuten und Stunden geduldig bis man an der Reihe ist. Wie ein japanisches Sprichwort sagt „Warten ist ist die verlängerte Vorfreude“. Und dann war da ja noch, genau… Es braucht nur einige Minuten bis man sich automatisch verneigt, denn es verneigt sich wirklich jeder und zwar immer. Beim Hallo, beim Tschüss, bei einer Frage und auch wenn man nur aneinander vorbei geht und die Blicke sich zufällig treffen. Anders als ich es gedacht hätte, war es gar nicht peinlich, sich zu verneigen. Die ersten Male ungewöhnlich aber es ist eine sehr respektvolle, höfliche Geste die ich in Deutschland sehr vermissen werde. Es wirkt weder übertrieben höflich noch fühlt es sich so an, wenn man sich selbst verneigt. Es ist auch keine Verneigung wie man sie aus Filmen kennt, in denen gleich der halbe Körper Richtung Boden sinkt, eher wie ein tieferes Nicken. Aus der Hüfte den Oberkörper leicht nach vorn, nur kurz, das war es schon. Ein nettes Lächeln dazu, perfekt. Direkt vor, während und nach dem verneigen bleiben noch 4 „Arigatō gozaimasu“ hängen, dann hat man es geschafft… Ach ne doch nicht. Man ist nur am Ende der Schlange die vor 30 Minuten sage und schreibe 430 Personen stark war. Dann wird man allerhöflichst einem Sicherheitsschalter zugewiesen. Ein biometrisches Foto und zwei Fingerabdrücke später, noch ein paar Verbeugungen und man hat es geschafft. Man ist hinter dem Zollbereich und steht nun in einem riesigen Flughafen mitten in Japan. Okay jetzt aber endlich eine rauchen… Eh ne Rauchverbot und zwar überall in ganz Japan. Nein das ist jetzt kein schlechter Scherz. Geraucht wird nur an (meistens IN) sog. Smoking Areas wie wir Deutschen sie von Flughäfen kennen. Es passt einfach nicht zu dieser Kultur in der Öffentlichkeit zu rauchen. Bei Millionen Einwohnern allein in Tokyo möchte man Nichtraucher natürlich nicht „belästigen“. Wobei der Grund ein ganz anderer ist, der mir erst nach einigen Tagen nicht zuletzt durch Schilder klar wurde. Auf eben jenen Schildern steht übersetzt „Danke das Sie Rücksicht nehmen und und hier rauchen. Denken Sie daran das sie sonst mit einer 700°C heißen Zigarette durch eine Menschenmenge laufen würden und evtl. jemanden verletzten könnten.“ – ich habe keine weiteren Fragen. Doch eine noch aber dazu später mehr. Erst einmal müssen wir zum Bahnhof um zu unserer Wohnung in Kamiikebukuro zu kommen. Es dauerte keinen Wimpernschlag bis eine Japanerin auf uns Aufmerksam wurde. „Konnichiwa!“, brüllte es mir förmlich entgegen, zwei Verneigungen später hatte wir dann eine gemeinsame Sprache gefunden, Englisch. Höflich wurde uns der Weg zum Bahnhof nicht erklärt! Er wurde mir gezeigt und zwar in dem ich erst einen Bahnhofsplan auf Englisch mit einer Verneigung überreicht bekommen habe, auf dem zuvor meine Route mit einem Textmarker und weiteren Infos markiert wurde. Danach hat man uns bis zum Bahnhof begleitet, uns eine gute Reise und einen schönen Aufenthalt gewünscht (mit Verbeugung natürlich). Wirklich erstaunlich, schon 1 Stunde nach Ankunft, noch immer am Flughafen und schon wieder in dieses Land verliebt. Etwas unsicher, dennoch zielsicher ging es nun in den Bahnhof. Ein wahnsinnig ausgefeiltes und hoch technologisches System macht das Zugfahren hier so einfach. Es ist wirklich erstaunlich das es sowas im 21. Jahrhundert schon gibt. Die Zuglinien haben Farbcodes, stell sich das mal einer vor. Ich möchte nach Kamiikebukuro, okay ich brauch die grüne Zuglinie. Wahnsinn dieser Fortschritt. Okay genug Sarkasmus, es ist wirklich simpel dank der Farben. Nicht nur die Züge und die Beschilderung haben die entsprechende Farbe auch auf dem Boden befinden sich nicht selten unterschiedliche Farblinien. Das ist auch wichtig, denn müsste jeder zuvor schauen wo er hin muss könnte dieses sekundengenaugetaktete Zugsystem nicht funktionieren. Während der Zugfahrt einfach am Bildschirm ablesen wo man umsteigen muss und am Bahnhof dann der entsprechenden Linie folgen – einfach aber genial. Der Zug hält, links und rechts der Türen bilden sich lange Schlangen. In der Mitte dieser Schlangen verlassen alle den Zug, erst dann steigt man ein, genial. Kein Gedränge, alles geordnet. Ich wollte meinen Kollegen gerade etwas fragen, da fiel mir auf das auch hier niemand spricht, nur das gewohnte Bild – Smombies.

Am Zielbahnhof angekommen… Ähh was machen die Japaner da auf der Rolltreppe? Okay man will ja nichts falsch machen also stellt man sich hinten an und folgt dem Mopp. Kurz darauf der Aha-Moment. Erstens stellt man sich immer mit einer Treppenstufe Abstand zum Vordermann auf die Rolltreppe und bleibt so weit links wie möglich. Rechts sausen dann alle vorbei die es eilig haben und diese Rolltreppenfahrt nicht genießen wollen. Denn selbst die Rolltreppe spricht mit einem, begrüßt dich und verabschiedet dich. Meine Frage von vorhin hat sich noch immer nicht geklärt. Warum zieht sich durch den gesamten Bahnhof eine dicke gelbe Linie die hervorgehobene Noppen hat. Und nicht nur im Bahnhof, sie ist wie ich feststellen muss schier endlos und auch auf den Gehwegen und Straßen vorhanden. Nur vor Eingängen und Ampeln sind die deutlich fühlbaren Hervorhebungen nicht mehr länglich sondern kreisrund. Es dämmert mir als eine offenbar Blinde Person, diese gelbe Linie mit dem Stock entlangfährt. Jaaa das ist Japan, jeder aber wirklich jeder ist hier ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft. Und da wird natürlich auch an Blinde gedacht und zwar in ganz Japan und nicht nur wie bei uns in Deutschland hier und da mal ein behindertengerechter Weg, Bürgersteig oder Bahnhof – der WAHNSINN. Okay Moment… Aha das erklärt das Vogelgezwitscher am Bahnhof das aus den Lautsprechern kam. Es führt die Blinden an den richtigen Bahnsteig. Unterschiedliche Vogelgeräusche mit unterschiedlichen Bedeutungen. Ich fühle mich immer geborgener in einem Land das ich erst seit gut 3 Stunden live kenne. Ich laufe nun mit meinem Koffer und Google Maps auf dem Smartphone vom Zielbahnhof die letzten 800m zur Wohnung, natürlich links auf dem Gehweg denn rechts geht’s ja in die andere Richtung. Ich wurde noch kein Mal angerempelt, an jedem Geschäft begrüßt und wenn ich einen Raucherspot gefunden habe (die sind wirklich selten) freundlich empfangen. Die Menge rückt zusammen und so findet sich immer noch ein Platz für jemand Neues in der Runde.

Der Taifun hat mittlerweile leider ganz Hokkaido und Kyoto verwüstet, einige Atomkraftwerke haben sich heruntergefahren und somit haben Millionen Menschen keinen Strom, kein Licht und fließend Wasser. Zwei große Tanker wurden vom Taifun gegen eine Brücke gedrückt und zerbrachen. Knapp 300 Menschen mussten diesen Taifun mit dem Leben bezahlen, ich wünsche ihnen Frieden und fühle mit Ihnen. Während ich knapp 400km entfernt in Tokyo „nur“ 180 km/h starken Wind spüre und wasserfallartigen Regen habe, macht sich ein mulmiges Gefühl breit. Der erste Tag ist so oder so nicht zu gebrauchen, der Flug schlaucht ganz schön, die Aufregung und die Polizei sowie Einheimische warnen davor das Haus jetzt zu verlassen. Der Taifun fegt also die Nacht über Japan hinweg und bringt Temperaturen von knapp 39 Grad mit sich. Und das bei einer Luftfeuchtigkeit von 80%. Das Gewitter am Morgen war vorprogrammiert und es war atemberaubend! Vor der Skyline Tokyos die ich von meinem Balkon aus sehen konnte, zuckten die Blitze zwischen den Wolkenkratzern hindurch. Das Echo des Donners hallte an den Glasfassaden entlang und zauberte mir ein Lächeln aufs Gesicht. Meinen Vermieter hatte ich natürlich höflich gefragt ob ich auf dem Balkon rauchen darf, und wenn nicht macht es mir überhaupt nichts zu einem Raucherspot zu gehen. Für die Frage an sich habe ich mich natürlich gleich mit entschuldigt, Höflichkeit ist eben alles hier. Doch wie mein Glück es wollte, genoss ich bei Gewitter in Tokyo eine Zigarette auf dem Balkon, lauschte den Grillen die man hier 24 Stunden am Tag hört und erlebte meinen ersten Sonnenaufgang im Land der aufgehenden Sonne. Doch dann hielt alles für einen Sekundenbruchteil den Atem an, selbst die Grillen und Vögel. Der Boden schwankte unter mir, die Wohnung lag im dritten Stock. Die unzähligen Strommasten die sich kreuz und quer durch das gesamte Stadtbild zogen wackelten gemächlich hin und her, dann war der Zauber vorbei. Der eingeschaltete TV sprang sofort von allein auf einen Nachrichtensender. Ein Erdbeben der Stärke 5 – das ist hier wie Zähne putzen, es gehört dazu und hat keinerlei Auswirkungen auf irgendwas. Ich fahre meinen Puls mit einem Kaffee herunter und beginne den Tag in einer Millionenmetropole die so leise ist wie meine eigenen vier Wände. Es ist kaum vorstellbar, wenn man es nicht selbst erlebt hat aber es ist wirklich ruhig und leise. Überall und zu jeder Zeit.

Nach etlichen Litern kaltem Kaffee aus dem gegenüberliegendem BOSS Automaten sind wir endlich losgezogen. Mehr oder weniger frisch sind wir in den Tag gestartet, schlenderten die Straße in der Nähe unserer Wohnung entlang, gänzlich ohne Ziel, dafür mit Spiegelreflex und anderen Digicams bewaffnet wie es sich für einen waschechten Touri gehört. 300 Fotos später hatte ich halb Kamiikebukuro auf der SD Karte und für eine Stadt mit 38 Millionen Einwohnern habe ich wirklich wenig Menschen auf den Fotos. Ein Blick auf die Uhr zeigt, das es erst 06.30 Uhr ist. Herrgott wann bin ich zu Hause mal freiwillig so früh auf den Beinen. Wir freuen uns ob der Stunden die uns bleiben diese Megacity zu erkunden und suchen das animate, eins der größeren Einkaufszentren für ordentlich Animemerchandise. Einige Getränkeautomaten später, die wir fleißig mit 100¥ Münzen gefüttert haben um uns an Milchgetränken wie GunGunGurt die Schnute satt zu trinken, haben wir das animate erreicht. Ein buntes Paradies für Animefans. Alles kostet verglichen mit Deutschland ein Apfel und ein Ei. Der gesamte Einkauf war so teuer, wie es ein einziges Teil in der Heimat gewesen wäre, ein weiterer Traum wird wahr. Zumal es all diese tollen, bunten Sachen bei uns gar nicht gibt – FOR SALE IN JAPAN ONLY – ziert fast jede Verpackung und macht uns stolz. Nach der harten Shoppingtour bei 38 Grad suchen wir einen Raucherspot. Blicke treffen uns, was wohl nicht nur an unserer Größe liegt, sondern viel mehr daran das wir uns wie Kinder freuen und uns wohl auch so verhalten. Wir sind ja aber auch in unserem Traumland, in einem wahren Animeland und hier findet man Manga-Zeichnung und Animestars an jeder Ecke. Ganz gleich ob in einer Ecke wie Akihabara – der Pilgerstätte schlecht hin und darüberhinaus der Sitz von SEGA – oder einfach in der Stadt oder dem Nachrichtensender OHA 4 NEWS. Animes sind überall, umgeben von ihnen saugen wir wie ein Schwamm weiter unsere Umgebung in uns auf. Schnell wird klar, auch hier wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Natürlich gibt es wohl kaum ein Land mit mehr Disziplin und Regeln aber Ausnahmen bestätigen eben doch die Regel. Der kleine Park vor der Smoking Area wird kurzerhand zu einem riesigen Raucherspot. Da landet auch mal eine Kippe auf dem Boden. Es dauert aber nicht lang bis ein Angestellter der Stadt den „Müll“ beseitigt, mit weißen Handschuhen führt er geschickt das armlange Kehrblech über den Boden. Entschuldigt sich mit einer Verneigung und einem „Sumimasen“ dafür das er jetzt hier fegen muss und zieht seines Weges. Von Schulmädchen wie man sie aus den süßesten Animes kennt bis hin zu schick gekleideten Frauen und Männern in Anzügen und Kostümen trifft sich alles hier um eine zu rauchen. Das erste Mal das wir überhaupt einer wirklich großen Menschenmenge begegnen und so etwas ähnliches wie Gespräche hören, leise natürlich. Wir genießen im Park sitzend unsere morgens gekauften Sandwiches und Melonenbrote, denn Essen auf der Straße verzehren während man läuft geht hier gar nicht. Dafür nimmt man sich hier Zeit und setzt sich wenigstens in einen Park.

Gestärkt geht es weiter, wir erkunden bis in die Abendstunden das U-Bahnsystem und landen schließlich in Sumida am Tokyo Sky Tree. Einen Eingang zum zweithöchsten Gebäude der Welt zu finden war nicht schwer, nur den richtigen zu finden war eine Herausforderung. Denn es gibt halt einen Eingang und einen International Entrance für Ausländer. Nur dort versteht man unter Umständen andere Sprachen als Japanisch. Ein Glück lagen auf dem Weg gleich zwei Raucherspots die wir natürlich umgehend genutzt haben. Nachdem wir mit unseren hilflosen Blicken wieder die Aufmerksamkeit aufmerksamer Japaner auf uns gezogen haben, wurden wir in 3 verschiedenen Sprachen angesprochen bis wir uns schließlich wieder auf Englisch geeinigt hatten. Lediglich die Begrüßung und das Danke haben wir wie eingefleischte Japaner in Landessprache mit Verneigung vollzogen. Man will ja zeigen was man kann und die Japaner haben auch Verständis dafür, das wir unsere wenigen Japanischkenntnisse präsentieren wollen. Der nächste Schlag traf mich wie der, den man sich beim Bilder aufhängen auf den Daumen knallt. Ich träumte nicht, man hat uns wirklich gesagt, das wir heute besser das normale Ticket statt das VIP FAST Ticket kaufen sollen, da nicht viel los wäre. Das ist eine Ersparnis von umgerechnet 35 Euro, die einem aus Höflichkeit erlassen wurden. Auch das behaupte ich, würde es in Deutschland niemals geben! Geld, Geld, Geld ist alles was zählt, in Japan NICHT – zumindest ist das unsere Erfahrung. Hauptsache die Besucher sind glücklich, mit einer Verneigung verabschieden wir uns und gehen Richtung Fahrstuhl. Dort werden wir natürlich empfangen, mit einer Verneigung und einem „Arigatō gozaimasu“. Der Fahrstuhl wird uns geöffnet, zuvor die Tickets entwertet und natürlich bedienen nicht wir den Fahrstuhl sondern die Dame mit den weißen Handschuhen. Die Türen des Fahrstuhls schließen sich und zurück bleibt die Empfangsdame die sich tiefer verneigt als alle anderen zuvor. Der Besucher ist König und diese tiefe Verneigung bringt es zum Ausdruck. Stets haben alle ein freundliches aber keinesfalls gespieltes Lächeln im Gesicht (zumindest wirkt es nicht gespielt auf uns) und sind trotz aller Sprachbarrieren bemüht das Erlebnis so großartig wie möglich zu gestalten. Mit 80m die Sekunde zieht uns der Fahrstuhl auf 450m hinauf, fast wie im Flugzeug knackt es im Ohr als sich der Druck durch den Höhenunterschied bemerkbar macht. Dann öffnen sich die Türen und mit einer Verneigung werden wir hinausgebeten. Vor unseren Augen liegt ganz Tokyo bei Nacht auf 450m Höhe, ein atemberaubender Anblick den wir natürlich zuerst nur durch die Kamerabildschirme und Sucher sehen. Es ist schon ein bisschen dämlich nur mit der Kamera herumzulaufen aber so sind wir Menschen nunmal und fangen so viele Momente wie nur möglich ein. Doch dann sehen auch wir ein, das es besser ist die Kameras beiseite zu legen und stumm und beinahe atemlos diese gewaltige Skyline mit eigenen Augen zu betrachten. 360 Grad Tokyo um einen herum auf 450m Höhe ist eigentlich unbeschreiblich – man muss es gesehen haben. Nachdem wir uns die Nase an den Scheiben plattgedrückt haben werden wir plötzlich auf Deutsch angesprochen. Gebrochenes Deutsch aber verständlich. Eine Mitarbeiterin des Sky Trees bemerkte unsere Kameras und bot uns direkt an ein Foto damit zu machen, von uns natürlich. Sie schien nicht aus Japan zu kommen, da sie sofort die Schriftzeichen auf dem T-Shirt meines Kollegen übersetzt hatte. „Hong Kong“ stand dort, auf chinesisch wie sie uns sagte. Ihr japanisch war natürlich ebenfalls perfekt und Deutsch offenbar ihr Hobby. Ich bewunderte sie dafür und war zugleich schockiert hier überhaupt jemanden zu treffen der unsere Sprache spricht. Ein bisschen peinlich war es schon entlarvt zu werden als Deustcher auch wenn das Bild hier generell sehr positiv ist von uns Deutschen. Ich identifiziere mich allerdings ungern mit meinem Heimatland – leider.

Nach zwei drei Fotos die sie von uns knippste, leider alle verschwommen, wünschte sie uns noch viel Spaß, verneigte sich und suchte sich direkt ein paar neue Leute für Fotos. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl knapp 100 Meter hinunter und gönnten uns ein Asahi Bier und Curry in der Bar auf 350m. Bei dem Ausblick schmeckt wirklich alles doppelt so gut. Es ist eine der Sehenswürdigkeiten schlecht hin und mehr Tokyo auf einem Fleck geht nicht. Das Stadtbild ist gigantisch, die Skyline der absolute Wahnsinn und das in jede Himmelsrichtung. Wenn es einen Fetish für Türme gibt, dann hab ich wohl einen 😉 und der Sky Tree Tower ist definitv mein Turm der Türme. Ich habe von Architektur ähnlich viel Ahnung wie von Marsreisen aber seine Schönheit und Eleganz trotz der Tonnen an Stahl und Beton ist wirklich beeindruckend. Die zudem immer wechselnden Farben verleihen den Parks und Cafes drumherum einen ganz besonderen Charakter. Hier und da sitzen Pärchen und küssen sich verliebt, andere verweilen, wie wir, einfach stumm und starren dem Turm folgend nach oben.

Nachdem wir dann noch weitere tausend Fotos vom beleuchteten Tokyo Sky Tree geknipst hatten, begann die Heimreise. Also wieder rein in die U-Bahn und ab nach Ikebukuro. Momentchen mal… Ich habe mir ein türkisfarbens Eis aus einem Automaten gekauft… Leider renn ich nun seit etlichen Minuten mit dem Hörnchen durch die Gegend und die türkisene Eismasse dessen genialen Geschmack ich nicht kenne und beschreiben kann, verteilt sich allmählich auf meiner Hand. Doch es gibt einfach nirgends einen Mülleimer. Durch einen Terroranschlag in der fernen Vergangenheit, hat Japan beschlossen aus Sicherheitsgründen Behälter (darunter eben auch Mülleimer) aus dem Stadtbild zu entfernen. So oder so nehmen die Japaner ihren Müll ordentlich mit nach Hause und entsorgen ihn dort oder in den Containern vor Konbinis. Okay, gelernt ab morgen hab ich eine verschließbare Tüte im Rucksack.

Man hört ja wirklich viel über das japanische Zugsystem und was soll ich sagen, es stimmt alles. Es ist ein super pünktliches, sekundengenaues Zugsystem. Alle 3 Minuten kommt ein Zug, hin und wieder wird natürlich auch gequetscht wie man es aus Bildern und Videos kennt, allerdings war es zu keiner Zeit so voll das es unangenehm wurde. Es hat mich zu Spitzenzeiten – also gerade morgens und ab 16 Uhr – eher an meine Schulzeit erinnert. Mein Schulbus war nicht wirklich leerer, ich würde sogar behaupten er war voller. Es ist übrigens ein unausgesprochenes Gesetz das man Taschen und Rucksäcke in der U-Bahn vorn am Bauch trägt, so belästigt man damit niemanden hinter sich. Wieder so eine kleine Sache der Höflichkeit. Ich habe einen der seltenen Sitzplätze ergattern können und mache mich so klein wie möglich zwischen all den schlafenden Einheimischen. Japaner scheinen ein Gen zu besitzen, dass sie eine Sekunde vor der Ansage ihres Zielbahnhofs aus dem absoluten Tiefschlaf reißt und wie Roboter aufspringen lässt. Ebenso unwirklich schlafen sie ein. Sie steigen ein, setzen sich hin oder verhaken sich stehend in einer Schlaufe und schon geht der Mund auf, die Augen zu und der Kopf sinkt unwillkürlich nach unten – Sekundenschlaf neu definiert. Der nächste Bahnhof, eine alte Dame steigt ein. Ich springe auf und rufe „dozo“, dabei zeige ich auf meinen nun freien Sitzplatz. Die Dame verneigt sich, entschuldigt sich gleich dreimal dafür das ich nun stehen muss und setzt sich schließlich hin. Eine weitere Verneigung gefolgt von einem Arigatō gozaimasu schließt die Prozedur ab. Es herrscht wieder Stille im Zug, wer nicht auf sein Handy starrt, schläft. Gefühlt bin ich der einzige der wach ist und ohne Handy in der Hand stark auffalle. Erst da fällt mir auf, dass mich niemand beachtet. Japaner leben in ihrer eigenen Welt, es interessiert sie einfach nicht was andere machen, vielleicht ist es auch unhöflich. Aber Blicke anderer gibt es kaum, direkte Sitz oder Stehnachbarn würden niemals auf mein Handy starren. Lediglich ein paar „Sugoiiii“ können wir ab und an hören. Hängt wohl damit zusammen das wir so groß sind, das wir uns locker auch oben an den Metallstangen festhalten können und unsere Köpfe wirklich über allen anderen sind. Ein kaum erreichbares Ziel für die meisten Einheimische. Nächster Halt Otsuka. Wir steigen aus, gehen natürlich links die Treppen hinauf und halten unsere Suica Card an die Schranke. Schon haben wir bezahlt. Gerade mal 1.70 Euro für 25 Minuten Zug fahren. Die Suica Card ist wie eine Kreditkarte für die U-Bahn, die man auch als Tourist kaufen kann. Wir haben sie schon Monate vorab bestellt und in Japan selbst an einem Automaten nur noch mit 10.000¥ aufgeladen. Der Vorteil dieser Karte ist einmal das es eben super schnell geht am Bahnhof und man damit auch an einigen Getränkeautomaten und in Konbinis zahlen kann. Ansonsten gilt für ganz Japan, nur Bares ist Wahres! So hochmodern das Land auch sein mag, beim Geld zählt eben das man was in der Hand hat.

Ach so, sag doch das du nicht weißt was ein Konbini ist. Das ist für mich persönlich fast schon das Beste an ganz Japan. Konbinis sind kleine Supermärkte die 24 Stunden 7 Tage die Woche geöffnet haben. Allerdings ist das eher ein Mix aus Rewe, Apotheke und C&A. Neben Speisen aus dem Kühlregal, Bentoboxen und Eis gibt’s auch warme, frische Speisen, eine kleine Bäckerei, Getränke und alles was Japaner sonst so brauchen. Neben Regenschirmen findet man Einmalunterhosen, Strümpfe, Einmalhemden, Krawatten, usw. Es ist richtig verrückt aber schon nach einem einzigen Besuch möchte man auf diese Läden nicht mehr verzichten. Sie bieten eben rund um die Uhr alles was man braucht. Sprachschwierigkeiten haben uns erfinderisch gemacht. Mit Englisch kam man hier nur selten weiter und wenn man etwas bestimmtes haben wollte, wurde es mit unserem bisschen japanisch schnell eng. Aber kurz das Handy gezückt, ein Foto geschossen und mit Händen und Füßen die Menge zeigen hat wunderbar funktioniert. Jetzt muss man noch wissen das es neben dem ich, ni, san, yon, go usw. (also 1, 2, 3, 4, 5) noch andere Wörter für Mengen gibt und zwar jeweils für Essen und Getränke. Nihai ist das Wort für Zwei aber nur bei Getränken und anderen Dingen. Futatsu ist für Speisen. Mit diesen kleinen Stolperfallen bei der Sprache hat man es dann doch meistens mit den Händen und Füßen geregelt, es hat aber immer funktioniert. Ein weiterer Vorteil der Konbinis ist das sie gefühlt alle 300m kommen. Es gibt drei große Vertreter der Konbinis. Das sind Lawson, Seven Eleven und Family Mart. Family Mart ist klar mein Favorit und ich würde sagen der Gewinner der großen drei.

Man darf sich übrigens nicht wundern, wenn man in Japan ein Geschäft betritt oder verlässt. Jedes Mal wenn jemand ein Geschäft betritt, schreit einer einem geradezu ein „Herzlich Willkommen, schön das sie bei uns sind, bitte sehen sie sich doch um“, um die Ohren. Wenn man die Person sieht, die einen begrüßt, reicht ein kurzes Hallo und eine Verneigung. Anders als beim Verabschieden, da wird keine Reaktion der Kunden erwartet. Man hört aber immer wie einem nachgerufen wird „Vielen Dank das sie bei uns waren, beehren sie uns bald wieder.“. Auch wenn keine Reaktion erwartet wird, ist es nur höflich sich zu bedanken und zu verabschieden – meine Meinung. Japan ist wirklich voller Höflichkeit und netter Gesten – einfach nur Traumhaft. Ich wünschte mir nur einen Bruchteil davon hier in Deutschland.

04:30 Uhr, Kamiikebukuro, 3. Stock. Draußen auf dem Balkon sind es 38,7 Grad, drinnen hält die Klimaanlage mit 18 Grad meinen besten Freund etwas länger frisch, während er friedlich auf dem Futon schläft. Ich schnappe mir mein eiskaltes Asahi-Dosenbier und weine einfach vor mich hin – vor Freude. Vor meinen Augen ziehen Wolken dahin. Meine Augen wandern nach rechts, tiefe Nacht, mein Blick schwenkt nach links, Sonnenaufgang! Das ist einer von vielen Momenten die ich nicht mehr vergessen werde. Ich bin einfach ich, wunschlos glücklich und mit einer Leichtigkeit erfüllt die ich nie zuvor verspürte. Mein Wunsch ist wahr geworden und so langsam realisiere ich das auch. Ich bin knapp 12.000km von zu Hause entfernt, habe mein Auto, meine Wohnung und alles andere gegen eine 15qm Wohnung getauscht. Im Bad schaffe ich es gerade so mich um die eigene Achse zu drehen und unter der Dusche berühre ich knapp die Decke – perfekt um hier Lampen zu installieren – denke ich mir und halte mir die Brause ins Gesicht. Warmes, reichlich chlorhaltiges Wasser umspült meine Nase. Mehr brauche ich gar nicht – denke ich und sinne nach. Wozu all die „Wertgegenstände“ daheim, wozu das große Auto, die vielen Räume die man nur putzt statt nutzt. Ein weiteres Mal zwingt mich das Land mein Leben zu überdenken. Zeigt mir mit kleinen, unscheinbaren Dingen worauf es doch im Leben ankommt und das all der Luxus zwar geil ist aber nicht notwendig. Ich vermisse außer meiner besseren Hälfte, meinen Hunden und natürlich meiner Freunde und Familie nichts. Bis heute denke ich darüber nach all den Luxusbalast loszuwerden. Okay – meine Autoliebe wird immer bestehen – aber definitiv ich verkleiner mich was die Wohnung angeht. Alles wird etwas japanischer, gesonnener. Sumimasen 

🙂 genug von meinem Leben. 08:00 Uhr – wir leeren mal wieder einen Getränekeautomaten und starten mit Clear Cola und GunGunGurt in den neuen Tag. Für uns Fitnessbomben (Ironie aus) sind die 39,8 Grad überhaupt kein Problem. Wir stürmen einen Konbini und kaufen alles was irgendwie nach großem Tuch aussieht um nicht mit Handtüchern durch die Gegend zu laufen. Das Problem der Hitze scheint bekannt zu sein, die Masse die wir an Schweißtüchern kaufen eher nicht. Zugegeben wir haben lange gespart und asen mit unserem Geld ziemlich rum aber das war das erklärte Ziel für diesen Urlaub der uns fast 2 Jahre das Sparen gelehrt hat. Für Einheimische muss es eher so gewirkt haben als hätte wir die Kontrolle über unser Leben verloren. Kein Besuch im Konbini war unter 50 Euro – wir werden noch in diesem Urlaub einen Melonenbrotschock und eine Sushivergiftung erleiden, da sind wir uns aufgrund des Konsums dieser Güter einig. Da hatten wir aber noch keine Dangos und auch keine Spieße aus Japanese Beef gegessen – aber dazu später mehr. Etwas runder als vorher laufen wir Richtung Mito-Line und als hätten wir nie etwas anderes getan finden wir den Weg zum Asakusa Schrein. „Endlich Japan“ schießt es mir durch den Kopf. Das war es doch was in meiner Vorstellung Japan ausmacht. Zwischen all der gigantischen Moderne plötzlich ein rotes Tor. Mit offenem Mund stehe ich vor dem ersten Torii meines Lebens und bestaune es. Manchen Dingen schenke ich vielleicht zu viel Aufmerksamkeit – ähnlich faszinierend bestaune ich auch Strommasten oder einfach die Straßen Japans. Am liebsten würde ich jeden Quadratzentimeter fotografieren, berühren, am liebsten mitnehmen. Ja natürlich – es ist passiert – ich denke es und spreche es laut aus – „ich würde gern hier Leben.“. Mein Grinsen wird immer breiter, während meine Beine ganz ohne mein zutun durch das Torii laufen und sich in einer Einkaufsstraße wiederfinden, welche mich wie ein Trichter immer tiefer in Richtung Schrein saugt. „Geht man einfach so durch ein Torii hindurch?“, fragt sich eine Hirnhälfte, während die andere 1000 Yen Scheine zückt und unnötig viele Katzenglöckchen kauft. Ich wollte mich umdrehen und beobachten wie die anderen durch das Tor laufen, doch mein Blick wurde getrübt von bunten Kugeln aus Reis und einem Regenschirm mit Katzenohren – meine Güte wie lange seit meiner Ankunft such ich schon danach. Gefunden, gekauft, glücklich – die drei G’s in meinem Urlaub in Japan. Ich lasse den Regenschirm bei mittlerweile 41 Grad und strahlend blauem Himmel aufschnappen, ziehe ihn wieder zu und mein Blick trifft durch eine Häuserschlucht hindurch auf den Sky Tree Tower… Da ist er wieder, mein Turmfetish 

🙂 Mein bester Freund rollt die Augen, schiebt mir einen Dango in den Mund und murmelt „saugeil, iss schnell man isst hier nicht auf der Straße…“. Ich versuche die Riesenkugel zu essen während ich mir vor Lachen auf die Lippen beiße um nicht als Reiskanone im Gefängnis zu landen. Ich schätze die Einkaufsstraße vor dem Schrein ist vielleicht 1000m lang – wahrscheinlich kürzer – nunja XY Chromosome, die Sache mit der Länge… Jedenfalls schaffen wir es nicht unter 1,5 Stunden durch diese Straße zu gehen. Wir schauen an jeder Bude, probieren alles was essbar aussieht und kaufen bis die Möglichkeiten es zu verstauen knapp werden. Mittlerweile sind wir umgeben von einer Menschenflut, dieser Schrein zieht Einheimische gleichermaßen wie Besucher Japans magisch an. Zugegeben ich hatte ich mir aufgrund vieler Animes einen Schrein etwas „magischer“ vorgestellt, vor allem ruhiger. Das wird bei den meisten wohl auch der Fall sein aber Asakusa wirkt mehr wie ein Touristenschrein – leider. Nicht zuletzt verstörten mich die Getränkeautomaten direkt auf dem großen Platz vor dem Schrein – dennoch befriedigte ich meine Sucht und trank den dritten Liter GunGunGurt. Ich bin mir nun sicher das ich eher an einer probiotischen Vergiftung in Japan sterbe werde als an dem Konsum von Melonenbrötchen. Der buddhistische Schrein ist gigantisch, jedenfalls haben meine Augen noch keinen größeren gesehen, was bei dem ersten Schrein im Leben keine Kunst ist. Plötzlich wird mir grün vor Augen! Mir ist nicht schlecht, im Gegenteil… ich sauge den kalten Matcha Latte den mir mein Freund vor die Nase hält in einer rasenden Geschwindigkeit leer und bete einfach drauf los das der Hirnfrost ausbleibt. Fehlanzeige, innerlich bin ich erfroren, äußerlich haben es einige Einheimische auch bemerkt und lächeln mich an. Ich stottere ein oishii in die Freiheit und bekomme zustimmendes Nicken von neben mir stehenden Japanern. Nur ein Augenzwinkern später stuppst mich ein älterer Herr an, verneigt sich und ist sich offenbar bewusst das ich kein Wort verstehen werde, wenn er mit mir spricht. Er versucht es erst gar nicht, mit einem warmen Lächeln zeigt er auf meine Kamera, streckt mir seine Hand entgegen und führt mich zu einer Position an der ich sofort verstehe was hier vor sich geht. Ich bedanke mich, doch der nette Herr lächelt nur stumm. Ich breite das Stativ aus und… der Herr neben mir gibt mir zu verstehen, das er mir helfen möchte. Ich willige ein und er richtet meine Kamera aus, dreht hier und da einen Knopf. Wir verständigen uns wortlos oder mit japenglisch. Die Fotos werden genial und später erfahre ich, Herr Fukuda ist Fotograf. Zufrieden starren wir auf den Bildschirm der Kamera, dann trennen sich unsere Wege. Wieder bin ich total verblüfft und verstaue diese Erfahrung in der Hirnregion „niemals vergessen“…