Schlagwort: Vergangenheit

Jemand

Jemand

Draußen ist es kalt, in der Wohnung warm. Ich fühle mich einsam. Ich liege in meinem Bett; zwei Uhr dreizehn, starre an die Zimmerdecke – Weiß. Leer. Die Zeit hält mich am Leben. Gedanken kreisen in meinem Kopf, immer in dieselbe Richtung. Ich starre aus dem Fenster, auf die leeren Straßen, ziehen sich durch mein Leben. Leblos fällt mein Körper in sich zusammen. Alle fünf Sekunden, fällt ein Wassertropfen in die Spüle aus Metall. Zwei Minuten verstreichen, vierundzwanzig Wassertropfen fielen, nichts passierte. Monotoner Alltag. Ich stehe auf und bewege mich langsam durch die Wohnung. Jedes Zimmer leer. Auf dem Tisch im Wohnzimmer, steht in der Mitte eine Tasse, der Kaffee darin abgestanden. Warum bin ich einsam, frage ich mich? Ich werde doch geliebt – oder? Ich werde doch von irgendjemandem geliebt – oder? Wer ist dieser jemand der mich liebt? Warum tut mir dieser jemand weh? Ich starre auf die weiße Wand. Ich fühle mich leer, leer und einsam. Wer ist dieser jemand auf dem Foto, das an der Wand hängt? Er ist mir vertraut, ich habe Angst, ich kenne diesen jemand nicht. Die Zeit verstreicht, immer mehr Erinnerungen werden wach, klettern an meinen Gefühlen hoch und stürzen ab. Wieder und wieder, diese Stimmen im Kopf, sie quälen mich, zerdrücken mich, sie fressen mich auf, diese leeren Worte. Jedes Wort eine Lüge, jeder Blick gemalt. Ich sehe diesen jemand. In Gedanken. Ich schreie „jemand“, so laut ich kann. Verzweifelt suche ich zuflucht. Ich lebe, ich liebe Dich, ich vertraue Dir. Du bleibst stumm. Warum tust Du das?

Buntes Band

Buntes Band

Dieses tiefe Gefühl der Geborgenheit,
das Lachen der Menschen zu sehen die man liebt,
ihre Gefühle zu fühlen und sie aufzufangen,
wenn sie fallen und ihnen zu zeigen,
wie wertvoll sie sind, das ist das bunte Band.
Niemand durchtrennt dieses bunte Band,
was umgeben von grauer Leere, welche die Farben trübt,
das Gefühl einer Familie aufrechthält.
Nichts auf dieser Welt, in der Welt,
die ich mir selbst geschaffen,
aufgebaut auf Gefühlen und Erinnerungen,
ist stark genug, das Band zu durchtrennen.

Doch dieses Gefühl das niemals zu hören ist,
und doch im Kopf hämmert und schmerzt,
als wäre es der lauteste Ton,
bringt dieses Band zum schwingen.
Und wenn die Fassade zerbricht,
langsam zerbröckelt und Vergangenheit,
die Gegenwart umhüllt, das bunte Band zu reißen droht,
dann halte ich es mit meinen Händen zusammen.
Niemand durchtrennt dieses bunte Band,
es ist meine Familie, bunt wie das Leben,
Und wenn hundert Tränen mich zu Fall bringen,
steh ich für nur eine Träne wieder auf,
und trockne sie, selbst wenn diese Träne rot ist.
In dem bunten Band steht es geschrieben,
wie ein Schwur, dass niemand jemals dieses Band durchtrennt.

Und wenn wir alle einen Teil vom bunten Band,
mit unseren bloßen, nackten Händen,
bis auch die letzte Träne getrocknet ist,
zusammenhalten, wie wir alles zusammen,
was uns das Leben in den Weg wirft,
bis zum letzten Augenblick durchstehen,
dann werden wir das Gefühl in uns spüren,
dass wir fühlten, als wir noch nicht auf dieser Welt waren,
geborgen und geschützt, ganz tief und unversehrt,
in jenem Menschen, der uns dieses wunderbare,
und manchmal auch unverständliche Leben schenkte.
Niemand durchtrennt das bunte Band.